Was ist Burnout?

Burn-out eine Modeerscheinung?

Burn-out ist ein Thema, das es schon immer gab, das aber zur Zeit sehr aktuell ist, weil sich die Arbeitsbedingungen dahingehend verändert haben, dass die meisten Menschen unter höherem Druck arbeiten. Sie müssen daher mehr auf sich selbst achten, sich definieren und abgrenzen, was sie so schnell noch nicht gelernt haben.

„Burn-out hat zwar als Thema zur Zeit Konjunktur wie nie zuvor. Doch mit dem Risiko des Ausbrennens haben sich die Menschen schon immer auseinandergesetzt. Leistungsfähigkeit aufbauen, sie erhalten, ihre Grenzen ausloten und diese achten – dies ist und bleibt eine zentrale menschliche Herausforderung. Ohne Augenmaß für ihre Tatkraft müssen auch noch so intelligente und einfühlsame Menschen, noch so ausgeklügelte Organisationen scheitern.“ (Schneider 2013 aus dem Vorwort)

Burn-out – was ist das genau?

Burn-out ist ein Vorgang und schließlich ein Zustand, in dem Menschen sich schlecht fühlen, oft auch körperliche Beschwerden haben und nicht fühlen, dass sie erschöpft sind, oder dieses Gefühl nicht wahrhaben wollen und sich weiter ohne Rücksicht auf ihr Wohlergehen verausgaben.

„Menschen bringen sich in Gefahr, in Burn-out–Zustände zu geraten, wenn sie „zu sehr in ihrer Arbeit aufgehen“, „zu begeistert“ sind, „zu engagiert“, sich „vor Leidenschaft verbrennen“, es ihnen nicht gelingt, ihr Feuer zu hüten, ihre Begeisterung und Tatkraft besonnen in ihrem Leben einzusetzen: „Wenn ich an etwas dran bin, dann arbeite ich sieben Stunden, oder auch einen ganzen Tag, ohne zu essen, oder Pause zu machen!“

“Wenn die Begeisterung, das Engagement, die Leidenschaft zum eigenen inneren Zwang und überzogene Anforderungen von außen unbedacht übernommen werden, verbrennen sich Menschen und fühlen sich schließlich massiv erschöpft, ausgebrannt und innerlich leer.”

                                                                                        (Schneider 2013)

 

Definition Burn-out-Syndrom

Als Burn-out-Syndrom wird ein Zustand

  • totaler körperlicher, seelischer und geistiger Erschöpfung,
  • mit verringerter Leistungsfähigkeit
  • und dem Gefühl
    • extremer Erschöpfung,
    • innerlicher Leere
    • und des Ausgebrannt seins bezeichnet.

 

Anzeichen von Burn-out

erste Anzeichen sind

Reizbarkeit, Überforderungsgefühle, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Gefühlskälte, Gefühlsabschottung, Fehler, Interessensverlust

dann folgen

Intoleranz, verschiedenste körperliche Störungen, innerer Rückzug, das Gefühl nur noch zu funktionieren, das Gefühl im Rad zu laufen,

schließlich

massive körperliche und seelische Störungen

und eventuell

ein Zusammenbruch.

 

 

Burn-out-Syndrom und Burn-out-Vorgang

“Erschöpfungszustände haben, biologische, physikalische, lebensgeschichtliche geistige, seelische, soziale, politische und wirtschaftspolitische Hintergründe. Ohne diese Hintergründe gibt es kein Burn-out-Syndrom und auch keine anderen „krankhaften“ Erschöpfungszustände.”

“Ein Burn-out-Syndrom entwickeln Menschen in der Regel über einen längeren Zeitraum, über Wochen, Monate, ein Jahr, häufig über einen Zeitraum von drei und mehr Jahren, dies ist der Burn-out-Vorgang oder Burn-out-Prozess. Gar nicht selten habe ich Entwicklungen gesehen, die einen Verlauf von 7 bis 12 Jahren bis zum vollen Ausbruch der totalen Erschöpfung, des Burn-out-Syndroms, nahmen. Dabei bewegen sie sich diese Menschen von anfänglicher Begeisterung, Motivation und Überengagement langsam hin zu Resignation und sozialem Rückzug. Schließlich entwickeln sie starke seelische und körperliche Beschwerden, mit denen sie schließlich zum Arzt kommen.“ (Schneider 2013 aus der Einleitung)

 

Wen trifft Burn-out?

Anfänglich beschrieb man insbesondere Menschen, die in helfenden Berufen arbeiten als am meisten betroffen, das ist zwar heute auch noch der Fall, aber „es trifft“ auch andere.

„Betroffen sind Männer und Frauen aus allen Berufen, genauso auch Frauen und Männer, die voll zu Hause arbeiten, den Haushalt machen, Kinder großziehen und alte Menschen versorgen. Solche die sowohl erwerbstätig als auch zu Hause und in einem Ehrenamt arbeiten sind besonders davon betroffen.“                                                                     (Schneider 2013)

 

Ist Burn-out eine Krankheit?

Darüber streiten sich die Fachleute, doch ganz offiziell ist Burn-out nicht als Krankheit definiert. Ob das nun von Vorteil oder Nachteil ist, hängt von der Seite der Betrachter ab: Betroffene fühlen sich meist besser, wenn Burn-out als Krankheit betrachtet wird, denn dann haben sie in unserem Gesundheitssystem einen Anspruch auf Versorgung, weshalb unser Gesundheitssystem zutreffender als Krankheitssystem zu bezeichnen wäre. Aus einem übergeordneten Blickwinkel betrachtet, wäre es günstiger Burn-out nicht als Krankheit zu bezeichnen, da Firmen ein Thema dann in der Regel mit der Einstellung „der Kranke hat ja selbst schuld!“ auf die Seite schieben.

„Als Burn-out-Syndrom wird nach der internationalen Klassifizierung von Krankheiten, ICD-10, International Statistical Classification of Diseaseses and Related Health Problems, eine „Totale Erschöpfung“ bezeichnet. Es wird im Abschnitt XII (Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen) unter der Rubrik Z (Personen, die das Gesundheitswesen unter sonstigen Gründen in Anspruch nehmen) als Z73 „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“ aufgeführt. Das Burn-out-Syndrom ist nach ICD-10 also nicht als Krankheit klassifiziert.”

“Beschwerden, im Sinne eines Erschöpfungszustandes wie bei einem Burn-out-Syndrom kommen auch vor, wenn andere körperliche und/oder seelische Schwierigkeiten vorliegen und der Erschöpfungszustand eine Auswirkung dieser Schwierigkeiten ist wie z.B. bei einer Erschöpfungsdepression. Diese und andere Formen einer Erschöpfung lassen sich anderen Diagnosen im ICD-10 zuordnen und sind unter Berücksichtigung der Dynamik der dahinter liegenden Erkrankung zu behandeln.

Was man -wie mit dem ICD-10- als Krankheit definiert und wie man sie definiert, ist Ausdruck fachlicher, gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftspolitischer Machtkonstellationen und Konsensbildungen, Krankheit also etwas relatives. Es wird rege diskutiert, ob denn Burn-out eine Krankheit sei oder keine. Dabei ist der Begriff Krankheit ein zweischneidiges Schwert: Zum einen fühlen sich Betroffene entlastet, wenn ihre Schwierigkeiten als Krankheit bezeichnet werden, weil sie damit von finanziellen Regelungen des Gesundheitssystems und der Rentenversorgung profitieren können, zum anderen fühlen sie sich diskriminiert und abgestempelt. Seelische Erkrankungen sind auch heute mit einem negativen Stigma behaftet. Eine Krankschreibung mit einer Diagnose aus dem Bereich der Psychosomatik oder Psychiatrie oder durch einen Facharzt für Neurologie und Psychiatrie oder einem Facharzt für Psychotherapeutische Medizin führt bei dem Klienten oder im Betrieb eventuell zu negativen Auswirkungen.

Sehr interessant ist für mich die Beobachtung, dass in vielen Betrieben eine natürliche Erschöpfung oder ganz alltägliche Krankheiten schon als inakzeptabel gelten: Hätte sich der Betroffene gut verhalten, sich gesund ernährt, Sport gemacht, die Fortbildungskurse besucht und Psychohygiene betrieben, wäre er schließlich nicht krank geworden!“                         (Schneider 2013)